Barrett M-99 RBR (Real Bigass Rifle) von Snow Wolf
Beitrag #1 - 05.06.2011, 16:45
Barrett M-99 RBR (Real Bigass Rifle) von Snow Wolf
VORWEG:
Ich werde hier einen etwas gemütlicheren Ton anschlagen, weil es der Aufmerksamkeit der Leserschaft zugutekommt, wenn man nicht so furztrocken schreibt wie im Scientist´s Digest. Das zu untersuchende Objekt ist ein gebrauchtes Großkalibergewehr.

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M-99 RBR (Real Bigass Rifle)
Kommen wir zum Objekt dieses Reviews - dem Snow Wolf M-99 – und seiner Vorgeschichte. Das Original however wurde von genau der Firma entwickelt und gebaut, die auf dem amerikanischen Kontinent am meisten Erfahrung mit Light Fifties haben dürfte, weil sie die Dinger praktisch erfunden hat: Barrett Firearms. Bekannt wurde die Firma, als 1982 die erste Version des M-82A1 auf den Markt kam - und Hollywood die Wirkung dieses beeindruckenden Breiteisens gleich kostengünstig aufgriff, um es neben der Desert Eagle in vielen Filmen zu verwenden - unter Anderem in Predator 2, Smokin´ Aces und Robocop. Bigger is better. So sehe ich das auch. So setzte die Filmindustrie den Monsterwummen also weltweit einige bewegte und bewegende Denkmäler.
Benutzt wird dieses 10-schüssige und halbautomatische Fernkampfgeschütz eigentlich zum fachgerechten Lahmlegen von Jeeps, leichten Panzerfahrzeugen, abgestellten Hubschraubern und Flugzeugen, Kommunikations- bzw. Flugabwehranlagen und leichten Küstenwachfahrzeugen. Natürlich kann man damit auch effektiv Türen öffnen, Bonzenlimousinen nebst ungeliebtem Inhalt knacken, Raffinerien hochjagen, Tresore aufbiegen oder einfach so mal unliebsame Zeitgenossen in der Landschaft zerstreuseln. Mit etwas Einfallsreichtum und innovativen Gedankengängen kann man damit wirklich viel erreichen. Nur am Kaffekochen und Windelwechseln muss man noch etwas feilen.

Nunja, das M-99 Big Shot wiederum ist ein Bullpup-Einzellader, eine kostengünstige, nicht ganz so sperrige Variante für den `Zivilgebrauch´(was man auch immer darunter verstehen mag). Im Prinzip wirkt es wie eine Art hypermodernes Großwildgewehr, wenn man bedenkt, dass das kleinere ab Werk lieferbare Kaliber .416 Barrett aus dem britischen .416 Rigby herausentwickelt wurde - nur eben mit einem Ogive-Projektil mit optimiertem Kahnheck und einer verkürzten .50er-Flaschenhalshülse.

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Effektiv ist es mit etwas Übung auf knapp 1400 Meter. Bei einer Entfernung von guten 900 Metern hat es einen Streukreis von etwa 102-104mm (5er-Gruppe). Mit $3800 im Durchschnitt kostet es eine ganz schöne Stange Knete - aber wer sich mit solchen Gewehren auskennt, der weiß: Das geht noch viel besser.

Ich benutze diese Gelegenheit also, mein erstes Review zusammenzupfuschen - und das über ein Thema, von dem niemand hier mehr Plan hat als ich: Scheißgroße Gewehre.
Warum ich davon Ahnung habe? Nunja, ich sammle Waffen aller Art wie andere Kronkorken oder Bierdeckel - und zwar seit 1988. Ich hatte mir (in einem Anflug geistiger Umnachtung, der seit meinem zweiten Lebensjahr unverändert anhält) schon ein hurenteures M-82A3 zugelegt, da wusste ich nicht einmal, dass es so was wie Softairforen überhaupt gab - es ist also älter als meine Forenzugehörigkeit zu euch seit der Version 01 dieses Forums. Und selbst wenn es nur um scheißgroße Gewehre geht, kann ich stolz von meiner Sammlung sagen, dass sie mit 14 Schusswaffen über 120 cm Gesamtlänge aus gut 4 Jahrhunderten überaus gut bestückt ist. Sorry - nun sind es 15. Und hey - nun habe ich ZWEI Barretts!

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Soviel dazu.

Nun also sitze ich nach x-wieviel dank DHL verpfuschten Tagen vor dem Paket, das mir mehr bedeutet, als Ramses´ Sarkophag Howard Carter bedeutet hatte. Oh ja - ich vergaß: Objektiv bleiben (das ist mit ein Grund, weshalb ich Reviews eigentlich hasse). Nunja, kommen wir zum ersten Eindruck: Es ist ein... zusammengepappter, improvisierter Karton, der einen relativ bemitleidenswerten Eindruck hinterlässt.

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HEY, die Wumme kommt von diversen Vorbesitzern, ja?! Also bitte mal - abgesehen davon; was juckt mich der fuckin´ Karton? Kauft ihr Ravioli, weil ihr scharf auf die Dose seid? Ich denke ja mal eher nicht. Aller guten Dinge sind drei - und ich bin nun der dritte Besitzer dieses Babes - und von nun ab geht´s ihm gut, da sorge ich schon für.

Okay. Das Ding als solches sieht wegen seiner schlichten, kantigen und kompromisslosen Form - und dem fehlenden Magazin in der Silhouette... äußerst spacig aus, fast wie ein kleines Steyr AMR. Der absolut verhunzte Paintjob täuscht nicht darüber hinweg, dass dieses Ding im Prinzip einfach mattschwarz lackiert worden ist, was ich a.s.a.p. ändern werde. Dem gegenüber ist das etwas voluminösere M-82A3 in einem sehr matten Anthrazitgrau phosphatiert worden. Glotze und Griff zum Wegschmeißen sind abgängig - aber das wusste ich schon vorher. Ist auch Rille, werde dem ohnehin auf meine Art abhelfen – so, wie auch die meisten User bei ihren Softairs nicht das Equipment verwenden, das mitgeliefert wird. Das ist meine Lösung - und sie wird beweisen, daß sie taugt.

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Markings gibt es bis auf das F eigentlich keine nennenswerten. Und auch das kommt mir gut zupass. Das Teil weist aus folgendem Grund keine Gussgrate auf: Es wurde - wie das M-82A3 - gefalzt, gestanzt, gefräst, gedreht und geschweißt. Das Einzige, was bei diesem Ding aus Kunststoff ist und Gussgrate haben könnte, ist das robuste Hopup-Gummi (am Verschluss einstellbar), das geradezu winzig erscheinende, vor dem Griff einzusetzende Magazin, die Zylinderdichtung, die Kolbenabschlusskappe, eine Abzugskleinteile - und der typische M-4-Griff. Das Gewehr ist unheimlich massiv und vermittelt eher den Eindruck eines Bordwaffensystems, aber das kennt man von Light Fifties ja - und jeder, der das nicht verschärft findet, sollte ganz fix zu seinem Daisy-Knicklaufluftgewehr zurückrennen, bevor er das Weinen anfängt, wenn er weiterliest. Alleine der überdimensionierte Repetierhebel aus Vollmaterial ist ein... Ereignis.

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Das Auswurffenster erinnert an eine Rumpfaussparung in der Seite eines Flugzeugträgers, aus der die Beiboote zu Wasser gelassen werden. Der überdicke Lauf fühlt sich eher an wie die offen konstruierte Hinterachse eines kleinen Geländewagens und ist sauber achtfach geflutet. Die Mündungsbremse ist für Barretts typisch mit zwei Inbusschrauben befestigt, aber beileibe nicht die einzige, die es für diese Waffen gibt. Anbei einige Bilder von anderen Mündungsbremsen.

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Das Zweibein wurde in exakt dieser Form schon bei all den anderen Barretts mit etwas Selbstachtung und auch beim M-60 verwendet - und es macht einen verflucht guten Job. Die Zerlegestifte sind wie bei allen Waffensystemen ab einer bestimmten Größe aufwärts mit Zugringen ausgestattet, ähnlich den Sicherungsstiften bei Flugzeugbomben - was mir ebenfalls sehr zu Pass kommt. Zieht man sie, kann man das Griffmodul gesondert vom unteren Systemkasten abnehmen. Ein ordentliches Stück schwerindustriell gefertigter Hardware eben - mit allem, was dazugehört - inklusive Wartung. Allerdings sei an dieser Stelle angemerkt, dass man das obere Systemkastenteil nur durch das Lösen von vier Schrauben abnehmen kann – zwei vorne, die zwei Distanzhalter für den Lauf festhalten (ähnlich konstruiert wie ultrafette ZF-Montagen) und zwei hinten, die in einem massiven Klotz Polyurethan stecken. Hat mit gut 6,7 Kilo auf meiner durchgerittenen Personenwaage natürlich auch ein entsprechendes Gewicht. Hey, ich bin ein gewichtsmäßiger Supercentennarier - und mit guten zwei Metern Größe kann ich mir das auch erlauben. Wer also bei Knarren über 5 Kilo abchickt - für den ist dieses Ding nix. Das Teil ist - und das kann ich im Brustton vollster Überzeugung sagen - eine absolute Ultra-Machismo-Canona! UGA! Man riecht keinen Pulverdampf, sondern reinstes Testosteron. Gorillas im Nebel - hier kommt der Silberrücken! Mit allem Drum und Dran kommt das M-99 sogar auf 7,3 Kilo. Die Daten vom Original allerdings unterscheiden sich dann doch noch etwas - Moment... habe hier das Ultramodern Firearms Vol.02:

Vorbild:
Die Lauflänge variiert je nach Kundenwunsch zwischen 63 cm, 73 cm oder 81 cm.
Einschüssiger Bullpup-Repetierer im Kaliber .50BMG oder .416 Barrett.
Das Gesamtgewicht variiert natürlich wegen der Lauflänge - in seiner schwersten Form sind es gute 11,5 Kilo.
Länge mit dem längsten verfügbaren Lauf: 127 cm.

Softair:
Die Innenlauflänge beträgt in etwa 59 cm.
Das Gewehr ist ein mehrschüssiger Federdruckrepetierer, in etwa wie das L-96 – also im Prinzip ein Pesudo-Bullpup, was der schieren Brachialität aber keinen Abbruch tut.
Das Gewicht beträgt komplett mit meiner Aufrüstung etwa 7,3 Kilogramm.
Die Gesamtlänge ist mit gut 125 cm etwa 2 cm kürzer beim Original. Ich kann´s verkraften - aber wem das wichtig ist - P.G.
Das Kaliber beträgt 6mm - im Gegensatz zum M-82A3 daneben, das 8mm hat.

Gehen wir doch mal in unseren scheißlangen Flur, der gute 14 Meter Gesamtlänge hat. Ich packe meinen Koffer und nehme einen Pizzakarton, einen schwarzen Edding, das Chronophon meines Kumpelz und das Fernkampfgeschütz auf Zweibein mit.

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Nachdem ich also mein Zielfernrohr parallel zum Lauf eingestellt habe (das verlangt nur gutes Augenmaß und kein über oder unter das Ziel halten bei gewissen Entfernungen - das nervt mich nämlich mächtig), konnte ich mich mit meinen guten drei Metern waagerechter Gesamteinsatzlänge immerhin noch einer 11-Meter-Bahn erfreuen. Draußen ballern kommt bei uns schlecht - wie ich unseren Bürgerschreck, öhm... Bürgermeister kenne, hätte der von der freiwilligen Feuerwehr bis zur GSG-9 alles auffahren lassen. Ich weiß schon, warum ich diesen reaktionären Mongo nicht gewählt habe - wo war ich? Ah ja, das Probeschießen.
Das Schussgeräusch ist witzig, denn man kann die Feder nachschwingen hören. Aber ab einer bestimmten Größe ist das wegen der dann greifenden Masseträgheit ganz normal und ihr könnt mir glauben - hier ist alles groß. Ist beim M-82A3 nicht anders. Auch die fertigungsbedingte Durchschlagskraft. Laut dem Chronophon liegt sie zwischen 2,5 und 2,7 Joule. Ich habe keinen Bock euch hier mit ellenlangen Tabellen zu beöden, wenn es der niedrigste und der höchste gemessene Wert von 30 Schüssen genau so tun. Das sollte reichen.
Der Streukreis des Gewehres auf dem Pizzakarton (der komplett perforiert wurde, sinnlose Anm. d. Verf.) liegt bei 11 Metern bei etwa 3,8 cm horizontal und 4,1 cm vertikal.

[Bild: bild024hcgm.jpg]

Nach meiner Erfahrung mit der Ballistik würde sich in guten 30 Metern daraus ein Streukreis von etwa 7 bis 7,5 cm ergeben. Diese Ergebnisse beruhen auf der Verwendung von 0,30er-BBs. 0,25er sind zu leicht, die fliegen bei der Druckwucht überallhin - nur nicht da hin, wo sie hinsollen. Ich denke, ich werde bei 0,30ern bleiben (Hallo, Phreak! Mit DEM Ding kann man tatsächlich auf Satellitenschüsseln ballern!).
Aber WOW! Das Magazin ist ein echtes Geduldsspiel – manchmal fliegen einem alle Kugeln auf einmal um die Ohren – und damit das Ding auch im Schacht hält, braucht es offenbar eine Art `Gaffatape-Presspassung´, oder ich habe irgendwas nicht gecheck.

FAZIT: Sie wurde vermessen, gewogen... und für durchwachsen bis gut genug befunden. Es ist – um es klar auszudrücken – ein Schraub- und Basteleisen. Ohne Leatherman und Inbus-Power braucht man auf´m Skirm damit wahrscheinlich nicht antanzen. Also genau mein Ding. Die jeweiligen Vorzüge und Mängel macht eigentlich jeder für sich aus, das sind subjektive Eindrücke - und die wollen wir ja unter allen Umständen vermeiden, nicht?
Auch, wenn das Ding aufgrund des verwendeten Federdrucksystems, das für Bullpup-Gewehre bauartbedingt eigentlich nicht so geeignet ist, der Art, wie man es x-mal aufschrauben muss, des nicht haltenden Magazins und der `Lackierung´ nicht gerade Museumsqualität erreicht wie das M-82A3 mit seinen schweineteuren .50BMG-Hülsen, ist es im Gegensatz zu diesem absolut spieltauglich und genau so robust - wenn man die passende Kondition dafür hat (und man es erst mal hingefummelt hat).

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Zudem gibt es nie Probleme mit zickenden Gearboxen, schwächelnden Akkus oder temperaturbedingten Potenzstörungen bei Greengas oder CO². Und für alle, die es lieben, saublöde Fragen zu stellen: Ja, Voll- und Semiauto fällt natürlich aus. Es ist ein riesiges Puristengerät und man liebt es - oder man hasst es. Ich denke, ich liebe es (pfeif auf Objektivität). Und beim ersten Skirm werden mich alle dafür hassen.

Und genau deshalb bin ich Meister des Handicap-Schusses und Mitglied im Gear Buster´s Big Gun Club (nebenbei habe ich diese ehrwürdige Vereinigung auch noch gegründet). Unser Motto: Alles unter .357Magnum kriegt der Kammerjäger.

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Sponsored by the Gear Buster´s Big Gun Club and the Flintology Church, tested by MLW Tuninx, all Rights reserved.

[Bild: faceblock2rtw.jpg]
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Beitrag #2 - 10.10.2013, 20:01
RE: Barrett M-99 RBR (Real Bigass Rifle) von Snow Wolf
Hat mal wirklich spass gemacht sich das Review durchzulesen. Ist mal was anderes als eines das ganz sachlich verfasst wurde. Und nebenbei cooles Teil . Sehe gerade ist schon recht alt der Beitrag, gebe aber trotzdem mal mein Komentar ab.
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